JERUSALEM, 21. Juni — Eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage ergab, dass die Israelis überwiegend der Meinung sind, dass der Iran aus dem Nahostkrieg und dem anschließenden Abkommen mit den Vereinigten Staaten gestärkt hervorgegangen ist.
Die Umfrage mit 3.644 Befragten, die zwischen dem 17. und 20. Juni von der Hebräischen Universität Jerusalem in Zusammenarbeit mit dem Agam-Institut durchgeführt wurde, zeichnet ein deutliches Bild der öffentlichen Stimmung nach dem US-Iran-Abkommen.
Von den Befragten gaben 92,1 Prozent an, dass der Iran den Konflikt gewonnen oder mehr daraus gewonnen habe, während 82,9 Prozent der Meinung waren, dass Israels langfristige Sicherheit geschwächt worden sei.
Die Umfrage ergab, dass selbst unter den Wählern, die den rechten Block unterstützen – der Wählerstamm von Premierminister Benjamin Netanyahu –, 93,1 Prozent glauben, dass der Iran gewonnen habe.
Die Ablehnung des US-Iran-Abkommens war weit verbreitet: 63,2 Prozent der Befragten lehnten es ab, während nur 12,1 Prozent ihre Unterstützung zum Ausdruck brachten.
Die Ergebnisse deuteten auf eine tiefere Vertrauenskrise in Israels Führung hin.
Knapp drei Viertel der Befragten, 72,5 Prozent, gaben an, Netanyahus Behauptungen über die Errungenschaften des Militäreinsatzes nicht zu glauben, während 56,4 Prozent sein Management des Einsatzes als „gescheitert" oder „schlecht" bewerteten.
Die Umfrage verwies auch auf den politischen Preis, den Netanyahu zahlt: Die Unterstützung für seine Amtszeit als Premierminister fiel von 40,5 Prozent Anfang März auf 29,4 Prozent im Juni.
Trotzdem zeigte die Umfrage eine anhaltende Unterstützung für militärische Aktionen gegen die Hisbollah im Libanon.
Fast die Hälfte der Befragten, 48,2 Prozent, befürwortete erneute große Militäraktionen gegen die Hisbollah im Libanon, selbst wenn dies eine Konfrontation mit Washington riskieren würde, während nur 21 Prozent eine solche Maßnahme ablehnten.
Verhandlungen zur Umwandlung des vorläufigen Iran-US-Abkommens in ein dauerhafteres Abkommen sollten am Sonntag in der Schweiz stattfinden, obwohl der Konflikt im Libanon die Verhandlungen zu gefährden drohte.
Washington kündigte dort am Freitag einen erneuten Waffenstillstand an, nachdem israelische Truppen im Südlibanon mit Hisbollah-Kämpfern zusammengestoßen waren, wobei jede Seite der anderen vorwarf, den Waffenstillstand gebrochen zu haben. — AFP


