Frankreichs Stürmer Kylian Mbappe feiert sein drittes Tor beim Achtelfinale gegen Schweden in New York. (AFP-Bild)
EAST RUTHERFORD: Frankreich zeigte am Dienstag eine Champagner-Leistung und fegte Schweden mit 3:0 vom Platz – mit einem Feuerwerk an Angriffslust und Präzision – und buchte damit den Einzug in das Weltmeisterschaft-Achtelfinale.
Das Ergebnis schmeichelte Schweden noch. Frankreichs schwungvoller Angriff hätte leicht zweistellig werden können, wäre es nicht am Pfosten und an einer Reihe von Beinahe-Treffern im Millimeterbereich gescheitert. Paraguay wartet bereits, und der mitreißende Fußball, den Frankreich hier zeigte, dürfte den Südamerikanern vor dem Achtelfinale kaum ruhige Nächte bescheren.
Im Mittelpunkt stand Frankreichs Kapitän und Talisman Kylian Mbappe. Von Beginn an war klar, dass er mit einer Mission angetreten war.
Mbappes zwei Tore brachten sein Torkonto bei Weltmeisterschaft-Endrunden auf 18 – nur einen Treffer hinter Lionel Messi in der ewigen Bestenliste. Bemerkenswert: Diese Tore fielen in lediglich 18 Spielen, und sein Doppelpack hier brachte ihn auf sechs Tore im laufenden Turnier.
Beim Abpfiff sah Schweden weniger wie eine besiegte Mannschaft aus, sondern eher wie eine zusammengeschlagene – nach 90 Minuten, in denen sie sich über den Platz in New Jersey schleppten und versuchten, mit dem präzisen französischen Passspiel Schritt zu halten.
Die Temperatur auf dem Platz fühlte sich noch heißer an als die offiziell gemessenen 32 °C in East Rutherford – für Schweden hätte es genauso gut die Sonnenoberfläche sein können, so sichtbar welkten sie unter dem unerbittlichen französischen Ansturm.
Mbappe stand im Mittelpunkt von allem. In der 16. Minute wurde ein Fernschuss von ihm gehalten, vier Minuten später hatte er den Ball im Netz. Der Treffer wurde wegen Abseits aberkannt – doch Schweden war gewarnt.
Buhrufe in der Trinkpause
Das Spiel war noch torlos, als das vollbesetzte Stadion die Trinkpause lautstark ausbuhrte – wie es unter Fußballfans, die über die faktische Einführung von vier Vierteln in einem traditionell in zwei Hälften gegliederten Spiel verärgert sind, zur Gewohnheit geworden ist. Diesmal konnte jedoch niemand die Berechtigung anzweifeln, da die erschöpften Schweden sichtlich auf dem Zahnfleisch gingen.
Die johlenden Fans wurden schnell durch eine ohrenbetäubende Version von Jon Bon Jovis „Livin' on a Prayer" abgelenkt, bevor das Spiel fortgesetzt wurde – doch für die Skandinavier sollte es keine göttliche Fügung geben.
Mbappe traf kurz nach der halben Stunde den Pfosten, rückte immer näher heran und durchbrach schließlich in der 45. Minute die Torsperre: Nach einem Pass von Ousmane Dembele täuschte er, tänzelte und hämmerte einen Rechtsschuss an Jacob Widell Zetterstrom vorbei.
Das Duo hat nun gemeinsam sechs Tore bei Weltmeisterschaft-Endrunden erzielt – mehr als jedes andere Duo in der Turniergeschichte – und überholte damit Deutschlands Michael Ballack und Miroslav Klose sowie Polens Grzegorz Lato und Andrzej Szarmach.
Die Franzosen unter den mehr als 86.000 Zuschauern im Stadion brachen in Jubel aus, und Mbappe lief, gefolgt vom gesamten französischen Team, zu Didier Deschamps an der Seitenlinie, um den Trainer zu umarmen, der gerade erst aus den USA zurückgekehrt war, nachdem er an der Beerdigung seiner Mutter teilgenommen hatte.
Frankreich kam in der zweiten Halbzeit genauso auf den Platz. Scharf, präzise und gefährlich.
Nachdem Frankreich eine Handvoll hochkarätiger Chancen um Haaresbreite vergeben hatte, kalibrierte es seine Präzision in der 53. Minute neu: Bradley Barcola lupfte den Ball am schwedischen Torwart vorbei und verdoppelte die Führung.
Zwanzig Minuten später erzielte Mbappe seinen zweiten Treffer und chippte den Ball nach einem feinen Steilpass von Michael Olise am Keeper vorbei.
In der 84. Minute nahm Deschamps Mbappe vom Platz, und der Kapitän verließ das Feld unter tosendem Applaus des Publikums nach einem Meisterstück, das Frankreichs Ambitionen unmissverständlich unterstrich.

