Bitcoin (BTC) ist es gewohnt, von Ökonomen, Zentralbankern oder Regulatoren kritisiert zu werden. Der aktuellste Vorwurf kommt nun aus der britischen Spitzenpolitik: Ex‑Premierminister Boris Johnson bezeichnete BTC öffentlich als „riesiges Ponzi Scheme“.
Ein Ponzi Scheme ist ein Betrugssystem, bei dem Renditen für frühe Investoren mit dem Geld späterer Anleger bezahlt werden, gesteuert von einem zentralen Betreiber. Auf X schrieb Johnson:
»Ich habe lange vermutet, dass Bitcoin ein riesiges Ponzi Scheme ist, und jetzt höre ich Leidensgeschichten, die mich fürchten lassen, dass ich recht habe.«
Ausgangspunkt seiner Kritik ist ein konkreter Betrugsfall. Ein Freund von Johnson habe 500 britische Pfund, rund 661 US-Dollar, an einen Mann gegeben, der versprach, das Geld durch ein Bitcoin-Investment zu verdoppeln. In den folgenden dreieinhalb Jahren seien immer neue Gebühren verlangt worden.
Am Ende habe der Betroffene insgesamt 20.000 britische Pfund, etwa 26.474 US-Dollar, eingezahlt und keinen Zugriff mehr auf sein Kapital gehabt. Laut Johnson geriet er dadurch in finanzielle Schwierigkeiten. Auch andere Personen im Umfeld seien betroffen gewesen.
Im weiteren Verlauf seines Beitrags stellte Johnson die Handelbarkeit der Kryptowährung grundsätzlich infrage. Er schrieb, er könne nachvollziehen, warum Menschen in Gold investieren oder Sammlerstücke schätzen. Gold verfüge über eine jahrtausendealte Historie als Wertspeicher. Selbst Pokémonkarten seien für ihn greifbarer.
»Diese seltsamen kleinen japanischen Cartoon‑Biester üben heute dieselbe Faszination auf Fünfjährige aus wie vor 30 Jahren. Die Kinder sind ganz vernarrt in sie. Sie prahlen damit und streiten sich darum.«
Selbst wer dem Charme von Pikachu wenig abgewinnen könne, verstehe zumindest, warum eine jahrzehntealte Karte weiterhin als handelbares Gut bestehe. Für Bitcoin erkennt Johnson diesen historischen oder kulturellen Anker nicht.
Boris Johnson äußerte sich auch in einem Interview zu dem Vorwurf, Bitcoin könne ein Ponzi Scheme sein. Quelle: dailymail.co.uk
Die Gegenreaktion aus der Bitcoin-Community kam prompt und fokussiert sich auf die technische Struktur von BTC. Strategy-Mitgründer Michael Saylor widersprach öffentlich. In einem X-Post schreibt er: „Bitcoin ist kein Ponzi Scheme. Ein Ponzi braucht einen zentralen Betreiber, der Renditen verspricht und frühe Investoren mit dem Geld späterer Investoren auszahlt.“
Bitcoin habe weder Emittenten noch Promoter noch garantierte Renditen. Das Netzwerk sei offen, von Dezentralität geprägt und werde durch Code sowie freie Marktnachfrage bestimmt.
Auch andere Branchenstimmen konterten scharf. Pierre Rochard, CEO von The Bitcoin Bond Company, bezeichnete stattdessen das Vereinigte Königreich als „riesiges Ponzi Scheme“, das durch Schulden finanziert werde.
Zugleich machten sich Kommentatoren über Johnsons Argumentation lustig. Unternehmer Mert Mumtaz hielt Johnson auf X sinngemäß entgegen, wenn ein verlorenes Investment bereits ein Ponzi Scheme beweise, müsse Johnson angesichts der Entwicklung des britischen Aktienmarktes während seiner Amtszeit selbst Experte für solche Konstrukte sein.
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Johnson stützt seine Kritik auf einen realen Betrugsfall. Doch der geschilderte Scam folgte einem klassischen Muster mit Renditeversprechen und Gebühren, unabhängig vom zugrunde liegenden Asset. Ein Ponzi Scheme setzt zudem einen zentralen Betreiber voraus, der Ausschüttungen steuert. Eine solche Struktur ist im Bitcoin-Protokoll nicht angelegt.
Die Kontroverse zeigt damit weniger ein neues Argument gegen BTC, sondern eine alte Spannung. Verluste durch Betrug werden schnell dem System zugeschrieben, auch wenn sie strukturell außerhalb des Protokolls entstehen. Ob man Bitcoin als riskantes Spekulationsobjekt oder als neutrales Netzwerk betrachtet, hängt am Ende davon ab, ob man Betrug als Eigenschaft des Assets oder als Eigenschaft der Akteure versteht.


