Strategy hat zwischen dem 26. und 31. Mai insgesamt 32 Bitcoin verkauft. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei rund 77.135 US-Dollar pro Bitcoin. Insgesamt nahm das Unternehmen damit etwa 2,5 Millionen US-Dollar ein. Gemessen an den Beständen von mehr als 843.700 Bitcoin ist der Verkauf praktisch bedeutungslos. Die veräußerten Coins entsprechen lediglich rund 0,004 Prozent der gesamten Bitcoin-Reserven.
Trotzdem reagierte der Markt empfindlich. Der Grund liegt weniger in der Größe des Verkaufs als vielmehr in seiner Symbolik. Michael Saylor hatte über Jahre hinweg die Philosophie vertreten, Bitcoin niemals zu verkaufen. Für viele Investoren war genau das einer der wichtigsten Gründe, warum sie in Strategy investierten. Die Bitcoin-Bestände galten als unantastbar. Der Verkauf stellt diese Wahrnehmung nun erstmals infrage. Anleger müssen künftig damit rechnen, dass Strategy unter bestimmten Umständen durchaus bereit ist, Teile seiner Bestände zu veräußern.
Strategy betont, dass der Verkauf nicht aufgrund finanzieller Probleme oder mangelnden Vertrauens in Bitcoin erfolgte. Das Unternehmen nutzte die Einnahmen vielmehr zur Finanzierung von Dividendenzahlungen für seine Vorzugsaktien, insbesondere für das Produkt STRC.
In den vergangenen Jahren hat Strategy Milliarden über Aktien- und Anleiheprogramme eingesammelt, um weitere Bitcoin zu kaufen. Gleichzeitig entstanden dadurch neue Verpflichtungen gegenüber Investoren. Allein die Dividendenverpflichtungen für verschiedene Vorzugsaktien belaufen sich inzwischen auf rund 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Das eigentliche Softwaregeschäft von Strategy erwirtschaftet nicht genügend Cashflow, um diese Verpflichtungen vollständig abzudecken. Dadurch muss das Unternehmen regelmäßig neues Kapital aufnehmen oder alternative Finanzierungsquellen nutzen. Genau hier kommt nun erstmals auch Bitcoin als mögliche Liquiditätsquelle ins Spiel.
Besonders kritisch wird gesehen, dass Strategy seine Kommunikation in den vergangenen Monaten schrittweise verändert hat. Noch vor wenigen Jahren galt das Unternehmen als kompromissloser Bitcoin-Hodler. Inzwischen sprechen Michael Saylor und CEO Phong Le deutlich flexibler über den Umgang mit den Beständen. Bereits im Mai hatte Saylor erklärt, dass das Unternehmen unter bestimmten Umständen wahrscheinlich Bitcoin verkaufen werde.
Genau dieser Wandel sorgt bei einigen Investoren für Skepsis. Kritiker argumentieren, dass Strategy damit einen Teil seiner ursprünglichen Investmentstory verliert. Wer eine Aktie kaufte, um indirekt an einer dauerhaft wachsenden Bitcoin-Position beteiligt zu sein, muss nun akzeptieren, dass Verkäufe grundsätzlich möglich geworden sind. Hinzu kommt die Sorge, dass weitere Verkäufe folgen könnten, falls die Finanzierungskosten steigen oder der Bitcoin-Kurs über längere Zeit unter Druck gerät.
Auf der anderen Seite halten zahlreiche Analysten die Aufregung für übertrieben. Die verkauften 32 Bitcoin seien wirtschaftlich nahezu bedeutungslos und würden nichts an der grundsätzlichen Strategie ändern. Strategy besitzt weiterhin mehr als 843.700 Bitcoin und bleibt damit der mit Abstand größte börsennotierte Bitcoin-Halter der Welt.
Mehrere Analysten verweisen außerdem darauf, dass das Management die Möglichkeit kleiner taktischer Verkäufe bereits zuvor angedeutet hatte. Aus ihrer Sicht handelt es sich eher um ein Instrument des Liquiditätsmanagements als um eine echte Abkehr von der Bitcoin-Strategie. Trotzdem hat der Schritt eine wichtige Botschaft gesendet. Die Bitcoin-Bestände gelten nicht mehr als vollständig unantastbar. Für viele Anleger ist das möglicherweise die größere Nachricht als die eigentliche Transaktion.
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